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Vermengen oder systematisieren? Zwei Arbeitsmodi des transdisziplinären Arbeitens, Teil 1

Ein Beitrag von Anja Mutschler

Die agile Denkmanufaktur ist in steter Bewegung – so wie Anja, die seit 13 Jahren das Research Institut mit der journalistischen Neugier, Kreativität und Gründlichkeit führt.

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Veröffentlicht: 19.03.2026

Lesezeit: 4 Minuten

Letzte Änderung: 20.03.2026

Schlagworte:

  • #agiles denken
  • #arbeitsweise
  • #forschungsbericht
  • #in the mud
  • #transdizplinär

Es lohnt sich, in Wissensprojekten über den passenden transdisziplinären Arbeitsmodus nachzudenken. Wir haben jetzt zwei im Angebot, die Sie projektweise wechseln können.

In den letzten 18 Monaten habe ich in einem wissenschaftlichen Forschungsprojekt mitgearbeitet, in der wir sowohl intraorganisatorisch und als auch für die Form des (problemorientierten) Forschens eine spezifische Arbeitsweise entdeckt habe. Wir haben sie „in the mud“ genannt. Wissenschaftlich untersucht haben die geschätzte Projektleiterin Dr. Julia Gabler und ich sie für die Lausitz als bruchgewohnte Strukturwandelregion. Dieser Modus ist mir aus meiner Praxis bei 20blue sehr vertraut.

Mehr noch: dank dieser Forschung kann ich meine eigene Empirie aus 15 Jahren transdisziplinärer Arbeit nun besser aufschlüsseln:

  • In transformationsorientierten Forschungs- und Denkprojekten mit einem prozessorientierten Erkenntnisgewinn, in denen Wissenschaft und Praxis hin- und herpendelnd zusammenarbeiten und wir uns in gewisser Weise vermengen. Sie funktionieren in the mud und bedürfen einer realen Kooperationsbereitschaft jenseits des klassischen Dienstleistungsverhältnisses. Beide Seiten müssen „gucken lassen“.
  • In unseren klassischen Research Services, die systematisch Durchblick mit Methode zu spezifischen, konkreten Fragestellungen erbringen und Wissenschaft und Praxis getrennt agieren. 20blue moderiert zwischen wissenschaftlichem Erkenntnisinteresse und praktischem Ergebnisinteresse. Klare Strukturen und Prozesse werden verabredet und beide Seiten sind geschützt vor zu vielen Ansprüchen der jeweils anderen Seite. Beide Seiten können „stecken lassen“.

Letzteres haben wir mit der Methode des „Agilen Denkens“ bereits vor einigen Jahren ausbuchstabiert. Wir haben allerdings in practi festgestellt, dass diese an ihre Grenzen stößt, wenn das Wissen sehr spezifisch auf komplexe praktische Herangehensweisen stößt. Daher bin ich extrem dankbar für die Möglichkeit, transdisziplinäre Arbeit wissenschaftlich zu beforschen. Dadurch erhält 20blue ein neues Prozessgerüst für transformationsorientierte Zusammenarbeit. Wir nennen es: den Praxis-Forschungsrat. Er ergänzt künftig unser bestehendes, stark auf Transparenz und Struktur ausgerichtetes Modell des Agilen Denkens.

Wichtig ist mir, festzuhalten: Beide Arbeitsweisen haben ihre Berechtigung – und beide bringen jeweils eigene Vorteile mit, je nachdem, wo eine Organisation gerade steht.

Was „in the mud“ bedeutet – und warum das hilfreich sein kann

„In the mud“ beschreibt Situationen, in denen Fragen noch nicht fertig sind, Rollen und Erwartungen sich verschieben und verschiedene Perspektiven gleichzeitig im Raum stehen. Typischerweise geht es um:

  • Transformationsprozesse mit vielen Stakeholdern
  • Themen, bei denen es noch keinen klaren „Problemzuschnitt“ gibt
  • interne Spannungen, die eine Rolle spielen, aber selten offen adressiert werden

Der Praxis-Forschungsrat setzt genau hier an. Er schafft einen strukturierten Raum, in dem:

  • Praxiswissen der Organisation,
  • wissenschaftliche Perspektiven und
  • externe Expertise

über einen längeren Zeitraum ins Gespräch gebracht werden. Die Erkenntnisse entstehen nicht nur durch das Sammeln von Wissen, sondern durch das kontinuierliche gemeinsame Reflektieren.

Der Praxis-Forschungsrat: Vorteile des kooperativen „in the mud“-Modus

Ein Praxis-Forschungsrat ist sinnvoll, wenn Organisationen:

  • mitten in Veränderung stecken und Orientierung suchen
  • mit komplexen, oft politisch sensiblen Themen arbeiten
  • verschiedene Fach- und Erfahrungswelten zusammenbringen möchten

Die Vorteile dieses Modus:

  • Gemeinsames Verständnis: Unterschiedliche Perspektiven werden nicht „glattgezogen“, sondern sichtbar gemacht und miteinander verschränkt.
  • Geteilte Verantwortung: Entscheidungen über nächste Schritte werden gemeinsam vorbereitet, nicht einseitig delegiert.
  • Lernender Prozess: Erkenntnisse entstehen iterativ – Hypothesen werden erprobt, angepasst, weitergedacht.

Kurz: Der Praxis-Forschungsrat ist unser Angebot für Organisationen, die bereit sind, sich auf einen kooperativen, dialogischen und auch einmal unbequemen Prozess einzulassen – mit dem Ziel, tragfähige und reflektierte Entscheidungen zu treffen.

Agiles Denken: Vorteile des transparent strukturierten Modells

Unser Modell des Agilen Denkens richtet sich an Organisationen, die ein klares Erkenntnisinteresse haben und dafür eine verlässliche Wissensbasis brauchen. Typische Situationen:

  • Es gibt konkrete strategische Fragen oder Hypothesen.
  • Entscheidungen stehen an, die gute Daten und Einschätzungen benötigen.
  • Es geht um Nachweisbarkeit, Anschlussfähigkeit und Transparenz in Richtung interne oder externe Stakeholder.

Die Vorteile dieses Modus:

  • Klarer Rahmen: Forschungsfragen, Methoden und Meilensteine sind von Beginn an transparent.
  • Nachvollziehbarkeit: Ergebnisse sind begründet, dokumentiert und können intern weiterverwendet werden.
  • Unabhängigkeit: Wir bringen kuratierte Expertise ein, ohne uns in interne Linienlogiken ziehen zu lassen.

Agiles Denken ist damit das passende Format, wenn Organisationen vor allem Orientierung durch gut strukturierte, belastbare Erkenntnisse suchen – und weniger einen gemeinsamen Reflexionsraum zur laufenden Veränderung.

Zwei Modi, ein Ziel: bessere Entscheidungen

Praxis-Forschungsrat und Agiles Denken sind keine konkurrierenden Modelle, sondern zwei unterschiedliche Antworten auf unterschiedliche Ausgangslagen:

  • Der Praxis-Forschungsrat unterstützt Organisationen dort, wo vieles noch in Bewegung ist und Wissen im Dialog entsteht.
  • Agiles Denken unterstützt dort, wo Entscheidungen vorbereitet und kommuniziert werden müssen – auf Basis eines klaren Forschungsdesigns.

Beiden gemeinsam ist der Anspruch, Entscheidungen auf eine reflektierte Wissensbasis zu stellen. Der Unterschied liegt in der Art und Weise, wie dieses Wissen entsteht und wie eng wir gemeinsam „in den Mud“ gehen – oder bewusst auf strukturierte Distanz bleiben.

Im Folgenden gibt es einen Fragebogen, anhand dessen Sie den passenden Modus abschätzen können – falls Sie das interessiert. Ansonsten übernehmen wir das gern im Zuge der Anbahnungsgespräche.

Fortsetzung steht bereit

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