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Nachhaltiges Wirtschaften: In 5 Schritten zum Erfolg

Ein Beitrag von Dr. Martin Bethke

Dr. Martin Bethke ist Autor, Keynote Speaker und Senior Partner bei der Unternehmensberatung company companions in Hamburg. Seine Schwerpunkte sind Strategie- und Nachhaltigkeitsberatung.

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Veröffentlicht: 14.12.2023

Lesezeit: 8 Minuten

Letzte Änderung: 14.12.2023

Schlagworte:

  • #csr
  • #nachhaltigkeit
  • #transformation

Nachhaltiges Wirtschaften wird in Zukunft die „License to operate“ für jedes Unternehmen. Warum das so ist, hat Martin Bethke in seinem neuen Buch Nachhaltiges Wirtschaften als Erfolgsfaktor beschrieben. Was sich hinter dem Konzept des Nachhaltigen Wirtschaftens verbirgt und mit welchen 5 Schritten Unternehmen der Weg zu einer nachhaltigen Unternehmensstrategie gelingt, stellt er in diesem Artikel vor.

Keine Zukunft ohne Nachhaltigkeit. In unserer zunehmend vernetzten Welt und einer immer umweltbewussteren (globalen) Gesellschaft wird Nachhaltigkeit in Zukunft die „license to operate“ für jedes Unternehmen. Wer als Unternehmen erfolgreich und wettbewerbsfähig bleiben will, muss sein Geschäftsmodell zukunftsfähig gestalten. Die Herausforderung besteht darin, nachhaltiges Handeln mit ökonomischem Erfolg in Einklang zu bringen. Wie aber geht nachhaltiges Wirtschaften?

Der Weg zum nachhaltigen Wirtschaften ist dabei für jedes Unternehmen individuell. Aber die gute Nachricht ist: Fast jedes Unternehmen kann nachhaltiges Wirtschaften umsetzen und eine Balance zwischen Ökonomie, Ökologie und Sozialem (den 3 Dimensionen der Nachhaltigkeit) erreichen.

In diesem Artikel gebe ich einen Einblick aus meinem aktuellen Buch „Nachhaltiges Wirtschaften als Erfolgsfaktor„. Ich zeige, warum Unternehmen dringend umdenken müssen und präsentiere 5 Schritte, wie Unternehmen durch nachhaltiges Wirtschaften zum Erfolg kommen.

Warum Nachhaltiges Wirtschaften? Die Kosten des Nicht-Handelns

Mit Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens wurde nachhaltiges Handeln zur Forderung an und Herausforderung für Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Nachhaltiges Wirtschaften wird zur Pflicht, wenn Unternehmen die politischen Vorgaben einhalten wollen. Aber es wird auch zur Chance, denn nur durch nachhaltiges Wirtschaften können Unternehmen in Zukunft wachsen und sind Risiken gegenüber resilient. Die wirtschaftlichen Vorteile reichen von verbesserter Ressourceneffizienz über die Produktion umweltfreundlicher Produkte bis hin zur Transparenz in der Lieferkette. Mittel- und langfristig lohnt sich Nachhaltigkeit für Unternehmen nicht nur, es geht gar nicht mehr ohne. Noch übersehen zu viele Unternehmen diesen Nutzen, wenn sie die Kosten für Nachhaltigkeitsstrategien ansehen. Sie übersehen dabei auch, dass die Kosten des Nicht-Handelns weitaus höher und unkalkulierbar sind. Ein paar Zahlen:

  • Über 200 der größten Unternehmen weltweit schätzen, dass bei Nicht-Handeln der Klimawandel zu Kosten in Höhe von insgesamt 1 Billion US-Dollar führen wird.
  • Über die Hälfte des weltweiten BIP ist durch den Klimawandel potentiell gefährdet.
  • Die Bundesregierung rechnet mit Kosten für die Klimawandel bis 2050 in Höhe von 900 Mrd. Euro.

Welche Kosten auf die Gesellschaft zukommen, wenn die Wirtschaft keine Transformation zum nachhaltigen Wirtschaften vorantreibt, ist schwer einzuschätzen. Doch je länger wir mit der Transformation warten, desto höher werden die Kosten für die nachfolgenden Generationen. Es geht also darum, heute die Weichen zu stellen und Kosten für eine nachhaltige Transformation zu übernehmen, um diese Kosten nicht auf zukünftige Generationen abzuwälzen.

Wie geht Nachhaltiges Wirtschaften? In 5 Schritten zur Nachhaltigkeitsstrategie im Unternehmen

Transformation im Unternehmen ist eine Herausforderung. Das gilt auch für die Integration von Nachhaltigkeit in die Unternehmensstrategie. Unternehmensstrukturen, -prozesse und die Unternehmenskultur müssen auf das Ziel eines nachhaltigen Wirtschaftens ausgerichtet werden. Damit diese Transformation gelingt, sind alle Mitarbeitenden gefordert und müssen den Wandel mittragen. Dafür braucht es ein klar strukturiertes Vorgehen und eine klare Kommunikation der Ziele.

Mit diesen 5 Schritten gelingt der Übergang zum nachhaltigen Wirtschaften:

Der Weg zur richtigen Nachhaltigkeitsstrategie ist für jedes Unternehmen individuell. Je nach Branche und Unternehmensart unterscheidet sich, welche Ziele sich ein Unternehmen setzen kann und welche Maßnahmen die richtigen zur Erreichung dieser Ziele sind. Wie bei jeder Neuausrichtung in der Unternehmensstrategie muss daher zunächst die Ausgangslage des Unternehmens genau bestimmt werden, d. h., ein Überblick über die eigene Position im Marktumfeld sowie Chancen und Risiken durch äußere Faktoren wie neue Richtlinien.

Schritt 1: Analyse der eigenen Position und Ausgangslage

Der Schritt 1 umfasst daher drei zentrale Analysen: Die Unternehmensanalyse, die Umfeldanalyse und die Wesentlichkeitsanalyse mit der Stakeholderanalyse. Diese Analysen schaffen die Grundlage für die Identifikation und die Aufstellung von Zielen, Maßnahmen und Kennzahlen für die Nachhaltigkeitsstrategie. Der in der Wesentlichkeitsanalyse angestoßene Austausch mit den Stakeholdern sollte im Verlauf der Strategieentwicklung fortgesetzt werden. Hierfür empfiehlt sich z. B. der Aufbau eines Nachhaltigkeitsbeirats.

Schritt 2: Entwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie (Vision, Mission, Zielbild)

Kennt man die Ausgangslage, kann in Schritt 2 die Vision des Unternehmens entwickelt werden. Die Vision beschreibt den kundenorientierten Mehrwert, das, was das Unternehmen antreibt und wofür es in Zukunft stehen will. Sie enthält ambitionierte Ziele, die verdeutlichen, wie das Unternehmen zukünftig nachhaltig Wirtschaften will. Die Vision legt die Absichtserklärung des Unternehmens zum nachhaltigen Wirtschaften fest und schafft damit Glaubwürdigkeit bei den Stakeholdern, u. a. Kunden, Mitarbeitenden, Gesellschaft. Die in der Vision dokumentierten Ziele geben den Mitarbeitenden Orientierung für ihr Handeln zur Erreichung der Ziele.

Auf Basis der Vision kann dann die Mission entwickelt werden. Sie beschreibt den Unternehmenszweck und was das Unternehmen tut, um die Ziele der Vision zu erreichen und einen positiven Beitrag für Kunden, Partner und Gesellschaft zu leisten. Hierbei hilft es, ein klares Zielbild zu entwerfen. Ausgehend von diesem Zielbild kann man dann Strategien zur Zielerreichung festlegen.

Schritt 3: Definition von Nachhaltigkeitszielen und Maßnahmen

Schritt 1 und 2 geben den inhaltlichen Rahmen vor. In Schritt 3 können nun die Nachhaltigkeitsziele und Maßnahmen entwickelt werden.

Die eigene Strategie in konkrete Handlungen zu überführen ist eine große Herausforderung für Unternehmen, besonders, wenn es darum geht, ihre Mitarbeitenden in den Prozess einzubeziehen. Daher ist es nicht nur essentiell, die richtigen Ziele zu definieren, es müssen auch eine Roadmap (mit Meilensteinen) erstellt werden und konkrete KPIs, um den Fortschritt beim Erreichen der Ziele zu messen. Wichtig ist außerdem, die eigenen Ziele kontinuierlich zu evaluieren.

Viele Unternehmen beschränken sich bei der Erstellung ihrer Nachhaltigkeitsziele noch auf Klimaziele oder CO2-Reduktion. Doch nachhaltiges Wirtschaften muss die drei Nachhaltigkeitsdimensionen in Einklang bringen. Orientierung für die Festlegung der eigenen Nachhaltigkeitsziele bieten die Sustainable Development Goals der UN. Anhand dieser Ziele kann das Unternehmen für jedes SDG Unterziele für jeden Unternehmensbereich definieren und Maßnahmen zur Zielerreichung ableiten. Da sich die Maßnahmen für jedes Unternehmen unterschiedlich gestalten, hat sich das SMART-Prinzip zur Festlegung der Maßnahmen etabliert: Die Maßnahme, um das jeweilige Ziel zu erreichen sollte SMART sein, d. h. spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert.  

Schritt 4: Anpassung von Steuerungs- und Führungsprozessen und Etablierung einer Nachhaltigkeitsstruktur

Wenn ein Unternehmen eine neue Nachhaltigkeitsstrategie implementieren möchte, bedeutet das (in der Regel), dass Prozesse und Strukturen im gesamten Unternehmen verändert und neue Verantwortlichkeiten bestimmt werden müssen. Neue Steuerungsmechanismen sind erforderlich, damit die Nachhaltigkeitsziele erreicht werden.

Viele KMUs setzen auf crossfunktionale Nachhaltigkeitsteams, die die praktische Umsetzung der Strategie begleiten. Anhand der Roadmap sowie der klar definierten und messbaren Ziele kann dann die Nachhaltigkeitsstrategie implementiert werden. Die Umsetzung der Strategie gelingt nur, wenn alle Mitarbeitenden mitwirken und durch das Commitment des Managements. Kurz gesagt: Gelingt es den Unternehmen, Mitarbeitende zu Co-Autoren der Strategie zu machen, gelingt auch die Umsetzung. Voraussetzung dafür ist, dass die Ziele für alle nachvollziehbar sind und Mitarbeiter*innen wissen, dass ihr Handeln und ihre Einstellung wichtig für das Gelingen sind. Ein Werte- und Verhaltenskodex kann ein sinnvoller Rahmen für dieses Handeln sein. Wichtig ist aber vor allem auch die transparente Kommunikation im Unternehmen. Auch nach außen schafft die Transparenz beim Berichten über Fortschritte und Probleme bei der Umsetzung der Strategie Vertrauen. Eine Möglichkeit, die Fortschritte nach außen zu kommunizieren stellt der Nachhaltigkeitsbericht dar. Mit der neuen CSRD wird die Nachhaltigkeitsberichterstattung ab 2024 für Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten Pflicht, zwei Jahre später für Unternehmen ab 10 Beschäftigten.

Schritt 5: Kommunikation der Nachhaltigkeitsziele und des Transformationspfads

Der Nachhaltigkeitsbericht ist eine Form, die Nachhaltigkeitsbemühungen des Unternehmens nach außen zu kommunizieren. Aber er ist nur ein Teil, wenn es darum geht, durch die Kommunikation der Nachhaltigkeitsziele Glaubwürdigkeit zu erzeugen. Nachhaltiges Wirtschaften erfordert eine entsprechende Haltung des Unternehmens und so wird von Unternehmen gefordert, ehrlich zu kommunizieren.

Zentral für die Kommunikation nach außen sind dabei auch die Mitarbeitenden. Sie tragen die Transformation hin zum nachhaltigen Wirtschaften mit und als Multiplikatoren und Vorbilder sichtbar in die Gesellschaft.

Viele Unternehmen zögern noch, über ihre Bemühungen hin zu mehr Nachhaltigkeit zu kommunizieren, aus Angst, Fehler zu machen. Sie wollen erst abwarten, bis Ziele erreicht sind. Doch das ist der falsche Weg. Niemand erwartet, dass alles sofort perfekt ist und alle Ziele übererfüllt sind. Wer sich ehrlich auf den Weg zum nachhaltigen Wirtschaften macht, weiß, dass dieser Prozess nie abgeschlossen sein wird. Anstelle einer Kommunikation, die rein auf das Erreichen von Zielen ausgerichtet ist, muss die transparente Kommunikation der Fortschritte treten. Welche Kanäle und welche Kommunikationsstrategie dabei die beste ist, muss jedes Unternehmen, mit Blick auf seine Stakeholder, selbst entscheiden.

Fazit

Der Weg zum nachhaltigen Wirtschaften ist für jedes Unternehmen eine individuelle Reise und es ist ein kontinuierlicher Prozess.

Bisher erfolgt diese Transformation oft noch eher unfreiwillig, doch immer mehr Unternehmen haben verstanden, dass sie in Zukunft nur Erfolg haben werden, wenn sie nachhaltig Wirtschaften. Mit den hier dargestellten 5 Schritten können Sie die Herausforderung, hin zu einer Nachhaltigkeitsstrategie in Ihrem Unternehmen meistern. Machen Sie sich auf den Weg! Denn nur, wenn wir auch als Unternehmen Verantwortung übernehmen, können wir eine lebenswerte Zukunft gestalten. Mein Buch „Nachhaltiges Wirtschaften als Erfolgsfaktor“ kann ein Startpunkt für Ihre Überlegungen sein.

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