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Interkulturelles Wissen: Du, wie sagen das die Finnen?

Ein Beitrag von Riikka Johanna Uhlig

Riikka Johanna Uhlig ist studierte Fennistin und Expertin und Übersetzerin für Finnland.

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Veröffentlicht: 15.04.2015

Lesezeit: 2 Minuten

Letzte Änderung: 15.09.2023

Schlagworte:

  • #expertennetzwerk
  • #finnland
  • #internationalisierung

Kleiner Praxistest. Ein Unternehmen will auf den finnischen Markt für Versicherungen. Die potentiellen Kundinnen und Kunden will man möglichst höflich ansprechen. Die alte Frage also: siezen oder duzen?

Unsere Einschätzung zum Thema Anreden im Finnischen:

1. Im Finnischen wird viel häufiger geduzt als im Deutschen. Harald Molan erklärt in seinem Lehrbuch Grundwortschatz Finnisch: Es ist ganz einfach üblich, sich in Alltagsgesprächen zu duzen. Molan weist darauf hin, dass sich die Frage nach der Anrede schon mit dem Gruß entscheidet. Wer einen mit hei anspricht, wird einen duzen. Die Begrüßung hyvää päivää deutet dagegen darauf hin, dass es sich um ein sehr offizielles Gespräch handeln wird – das Siezen ist aber nicht einmal hier eine Bedingung. Grundsätzlich gilt: Die Anrede muss zum Stil des sonstigen Textes (z.B. möglichen Begrüßungen) passen.

2. Deutsche und finnische Werbekampagnen lassen sich gut parallel untersuchen. Sabine Ylönen schrieb in ihrem Artikel Webvertising deutsch/finnisch, dass die Anrede in finnischen Werbungen zwischen Siezen, Duzen und passiven Formen variiert. Insgesamt stand aber während ihres Untersuchungszeitraums das Du im Vordergrund. In den vergangenen Jahren ist das Siezen allerdings wieder etwas salonfähiger geworden.

3. Jukka Korpela erklärt in seinem Stil- und Rechtschreibführer Nykyajan kieliopas: Man siezt vor allem, wenn man einen etwas älteren Kunden anspricht. Wie in vielen anderen Sprachen auch ist also im Finnischen der Faktor Generation zu beachten.

4. Eine wichtige Hintergrundinformation: So wie heute ist die Situation ungefähr seit den 1960er-Jahren. Damals wurde das Duzen zum Normalfall, nur noch ältere, fremde Menschen werden nun gesiezt. Die Folge: Viele Menschen, die in den 60ern oder 70ern geboren sind, fühlen sich beleidigt, wenn man sie siezt. Sie denken, dass man sie für alt hält. Und alt sein will erst einmal niemand.

5. In der Direktwerbung wird häufig geduzt. Der Text liest sich fließender. Da der Absender den Empfänger ohnehin nicht kennt, nimmt man das „normale“ Pronomen, und das ist immer noch das Du.

6. Ein kurzer Blick auf die Webseiten der größten finnischen Versicherungsagenturen ergibt, dass der Kunde in diesem Zusammenhang immer geduzt wird.

Unsere Empfehlung: Du! Die einzige Ausnahme wäre, wenn die Werbung sich ausschließlich an ältere Personen richtet.

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